Galeria-Miteigentümer kritisiert Geschäftsführung für erneuten Insolvenzantrag
Der Miteigentümer der insolventen Kaufhauskette Galeria, Bernd Beetz, hat die Geschäftsführung des Unternehmens für den erneuten Insolvenzantrag kritisiert. Er halte die Insolvenz "grundsätzlich für vermeidbar", sagte Beetz der "Bild"-Zeitung vom Montag. "Die Gesellschafter haben Galeria in einer schwierigen Lage übernommen und viel Zeit, Energie und eigenes Kapital investiert, um dem Unternehmen eine Zukunft zu geben. Entscheidend wäre gewesen, die notwendige Transformation konsequenter und schneller umzusetzen."
Dafür brauche es "insbesondere ein stringentes Warenmanagement, eine klare Sortimentsstrategie und eine deutlich stärkere Kundenorientierung", sagte Beetz, der rund 25 Prozent an Galeria besitzt. Er gab sich zuversichtlich: "Ein Warenhaus kann auch heute erfolgreich sein – aber nur, wenn es sich deutlich vom Wettbewerb abhebt und operativ exzellent geführt wird."
Beetz sagte, personelle Entscheidungen müssten jetzt "anhand der Frage getroffen werden, wer das größte Vertrauen von Gläubigern, Mitarbeitern, Lieferanten und möglichen Investoren genießt. Es geht nicht um einzelne Personen, sondern darum, die bestmögliche Führung für die nächste Phase sicherzustellen."
Galeria hatte in der vergangenen Woche erneut Insolvenzantrag gestellt - zum vierten Mal binnen sechs Jahren. Die Kaufhauskette war zuletzt im Zuge der Insolvenz des österreichischen Mutterkonzerns Signa in Schwierigkeiten geraten. Nach dem dritten Insolvenzantrag vom Januar 2024 übernahm ein Konsortium aus der US-Investmentgesellschaft NRDC Equity Partners und der Beteiligungsfirma BB Kapital SA von Beetz Galeria. Die neuen Eigentümer strichen unter anderem die Namen Kaufhof und Karstadt und verlegten den Verwaltungssitz von Essen nach Düsseldorf.
Kaum Chancen für einen Neustart der Kaufhauskette sah der Handelsexperte der Hochschule Niederrhein, Gerrit Heinemann. "Galeria hat weder vom Geschäftsmodell noch von der wirtschaftlichen Situation sowie insbesondere dem Insolvenzrecht her eine Chance", sagte er der "Rheinischen Post". "Da die vorherige Insolvenz noch nicht abgeschlossen war, darf kein Insolvenzgeld sowie auch kein Massekredit gezahlt werden."
Heinemann warf dem Warenhauskonzern vor, Insolvenzen zum Geschäftsmodell zu machen. "Sollte es durch Entscheidungen der Politik doch weitergehen, missbraucht das Unternehmen das Insolvenzrecht", sagte er. "Da mit 2020, 2022, 2024 und jetzt mit 2026 alle zwei Jahre die Insolvenz kommt, ist diese Insolvenzkaskade zu einem regelrechten Geschäftsmodell geworden, das sich offensichtlich lohnt." Gläubiger und Vermieter verzichten in Insolvenzen oft auf Geld, Arbeitsagenturen zahlen Insolvenzgeld.
Der Handelsexperte Carsten Kortum von der Hochschule Heilbronn brachte gegenüber der Zeitung eine Verschärfung des Insolvenzrechts ins Spiel. "Es stellt sich nach der vierten Wiederholung die Frage, ob das Insolvenzrecht in der jetzigen Form nachjustiert werden müsste. Zumindest bei Insolvenzen in Eigenregie, wo das alte Management am Ruder bleibt", sagte Kortum. "Beschäftigte, Lieferanten und Vermieter können nicht dauerhaft die Last einer ausbleibenden Sanierung tragen."
Der österreichische Investor René Benko, dem zeitweise unter anderem die Warenhauskette Galeria und das Luxuskaufhaus KaDeWe in Berlin gehörten, verbüßt derzeit wegen Betrugs eine Haftstrafe.
E.Weber--FFMTZ