Hitzewelle in Frankreich: Höchste Warnstufe für 26 Millionen Menschen ausgerufen
Große Teile Frankreichs stecken fest im Griff der dritten Hitzewelle in zwei Monaten. Für mehr als ein Drittel der Bewohner des Landes galt am Sonntag die höchste Hitzewarnstufe, 26 Millionen Menschen in 37 Départements waren nach Angaben des Wetterdienste Météo-France davon betroffen. Fast überall herrschten Temperaturen von weit über 30 Grad, teils sogar um die 40 Grad. In Paris schlossen Touristenattraktionen wie der Eiffelturm wetterbedingt schon am Nachmittag. Erstmals in der Geschichte der Tour de France wurde wegen Hitze eine Etappe gekürzt.
Statt nach Mitternacht schließe der Eiffelturm am Wochenende wetterbedingt schon um 16.00 Uhr, teilte der Betreiber auf seiner Website mit. Das Louvre-Museum, zu dessen zahlreichen Exponaten die Mona Lisa gehört, öffnet bis einschließlich Montag ebenfalls nur bis 16.00 Uhr, das Musée d'Orsay schließt bis Mittwoch jeweils vorzeitig um 17.00 Uhr. Zudem wurde von der Präfektur der beliebte Ball der Feuerwehrleute abgesagt, der traditionell am 13. und 14. Juli in den Feuerwachen stattfindet, sowie alle Sportereignisse unter freiem Himmel oder in nicht klimatisierten Räumen.
Die Organisatoren der Tour de France kürzten die eigentlich 185,5 Kilometer lange neunte Etappe im Zentralmassiv am Sonntag wegen erwarteter Temperaturen von bis zu 40 Grad um 30 Kilometer. Der internationale Radprofi-Verband CPA forderte am Sonntag, die Startzeiten in den Sommermonaten anzupassen, "um die Athleten zu schützen". Noch vor der Saison 2027 müsse eine Lösung gefunden werden, um die Rennen an die "klimatischen Realitäten" anzupassen, erklärte der CPA.
Gewitter führten am Samstagabend in drei Départements im Südwesten zu Stromausfällen, von denen etwa 5000 Haushalte betroffen waren. Die Versorgung sollte im Laufe des Sonntags wieder hergestellt werden.
Die Hitzewelle soll noch bis Mitte der Woche anhalten, nur einige Départements im Süden und Osten des Landes sowie am Ärmelkanal bleiben von den extremen Temperaturen verschont. Wegen der starken Trockenheit und erhöhter Brandgefahr wurde in zahlreichen Städten das Feuerwerk am Nationalfeiertag abgesagt. In Frankreich fielen seit Jahresbeginn schon mehr als 25.000 Hektar Waldbränden zum Opfer, das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum.
Wegen der Sommerferien und des französischen Nationalfeiertags am 14. Juli sind derzeit sehr viele Menschen im Land unterwegs. Die französische Bahngesellschaft SNCF versicherte, trotz der Hitze werde es einen "normalen" Schnellzug-Verkehr geben. Am Wochenende sollten demnach 3700 TGV-Züge fahren. Während der heißesten Stunden des Tages werde aber jede dritte Intercity-Verbindung gestrichen.
Die erste Hitzewelle dieses Jahres hatte es in Frankreich bereits Ende Mai gegeben, eine zweite folgte Ende Juni. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Hitzewellen infolge des menschengemachten Klimawandels an Intensität und Häufigkeit zunehmen.
B.Mayer--FFMTZ