Frankfurter Tageszeitung - Rad-WM: US-Amerikaner McNulty düpiert die Favoriten

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Rad-WM: US-Amerikaner McNulty düpiert die Favoriten
Rad-WM: US-Amerikaner McNulty düpiert die Favoriten / Foto: ANDREJ IVANOV - SID

Rad-WM: US-Amerikaner McNulty düpiert die Favoriten

Brandon McNulty schlug vor dem Zielstrich ungläubig beide Hände auf den Helm, dann hüllte sich der Sensations-Weltmeister in eine US-Flagge und ließ seiner Freude in dem Armen seiner Ehefrau Summer freien Lauf. Völlig überraschend hat der 28-Jährige die Superstars im WM-Straßenrennen düpiert und Tadej Pogacars zweijährige Regentschaft im Regenbogentrikot beendet. McNulty verwies zum WM-Abschluss in Kanada nach 273,4 km den Australier Michael Matthews und Ex-Weltmeister Mathieu van der Poel auf die Plätze und sicherte sich seinen ersten WM-Titel.

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"Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagte McNulty mit Tränen in den Augen: "Ich habe einfach weiter Gas gegeben. Ich habe heute früh mit meiner Frau darüber gescherzt. Es ist wie ein Wunder." McNulty ist der erste US-Weltmeister seit Lance Armstrong im Jahr 1993.

Der Slowene Pogacar, Weltmeister von 2024 und 2025 und im Alltag McNultys Teamkollege, konnte seinen Titel aufgrund einer bei der Vuelta erlittenen Sturzverletzung nicht verteidigen. Zu den Geschlagenen gehörte unter anderem der hoch gehandelte Belgier Remco Evenepoel, der eine Woche nach seinem insgesamt vierten WM-Triumph im Einzelzeitfahren als Zwölfter das historische Double verpasste.

Das Warten auf den ersten deutschen Weltmeister im Straßenrennen seit Rudi Altig 1966 geht derweil weiter. Die sechsköpfige deutsche Mannschaft um Florian Lipowitz, der nach einem Sturz bei der Tour de France im Juli erst kürzlich ins Renngeschehen zurückgekehrt war, setzte keine entscheidenden Akzente. Der deutsche Meister Felix Engelhardt war Teil einer ersten größeren Fluchtgruppe, die keine Erfolgsaussichten hatte. Lipowitz verlor in der vorentscheidenden Phase rund 75 km vor dem Ziel den Anschluss an die Favoriten.

Mit dem Einbiegen auf den 13,4 km langen und zwölf Mal zu befahrenen Rundkurs um den Mont Royal zog das Tempo an - und das Rennen entwickelte sich zu einem Ausscheidungsfahren. Mit jeder Runde, die unter anderem über die steilen Anstiege Côte Camillien-Houde und Chemin de Polytechnique führte, wurde das Hauptfeld kleiner. Überraschend früh fiel dabei auch der frische gekürte Vuelta-Sieger Enric Mas (Spanien) zurück, der abgehängt war, als die Top-Favoriten die Schlagzahl nochmals erhöhten.

Allen voran van der Poel zeigte sich dabei als Aktivposten. Der dreimalige Roubaix-Sieger attackierte und setzte sich in einer kleinen Gruppe ab. Die Gold-Kandidaten Isaac Del Toro (Mexiko) und Paul Seixas (Frankreich) kämpften in einer hektischen Phase um die Kontrolle in der Verfolgung, fehlende Geschlossenheit erschwerte die Nachführarbeit.

35 km vor dem Ziel gelang den Verfolgern dann aber der Zusammenschluss. McNulty nutzte die Chance für eine Solo-Attacke, fuhr einen Vorsprung von zwischenzeitlich rund einer Minute heraus und durfte träumen. Das Polster schrumpfte zusammen, eine geordnete Nachführarbeit kam aber nicht mehr zustande.

B.Schmidt--FFMTZ