Ukraine meldet mindestens fünf Tote bei russischem Angriff auf Einkaufszentrum
Bei einem russischen Angriff auf ein Einkaufszentrum in der ostukrainischen Stadt Pawlohrad sind nach Regierungsangaben mindestens fünf Menschen getötet worden. Weitere 67 Menschen seien verletzt worden, erklärte Regionalgouverneur Oleksandr Hanja am Donnerstagabend. Bei dem Angriff seien Geschäftsräume und Fahrzeuge beschädigt worden.
Der ukrainische Innenminister Iwan Wyhiwskyj schrieb im Onlinedienst Telegram, der Angriff im Stadtzentrum von Pawlohrad habe sich "am hellichten Tage" ereignet, als die Straßen voller Menschen waren. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte: "Russland ist der Ansicht, dass unablässige Angriffe auf Zivilisten die Ukrainer zermürben und die Ukraine zu Zugeständnissen zwingen können."
Die Stadt Pawlohrad liegt in der Region Dnipropetrowsk. Vor dem Krieg lebten dort mehr als 100.000 Menschen. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 steht die Stadt immer wieder unter schwerem russischen Beschuss.
In der russischen Grenzregion Belgorod wurde derweil durch einen ukrainischen Drohnenangriff auf die Stadt Nowy Oskol nach Angaben der Rettungskräfte ein Mensch getötet. Sechs weitere Menschen seien verletzt worden.
Russland und die Ukraine haben ihre gegenseitigen Angriffe jüngst verstärkt und greifen oft weit im Landesinneren hunderte Kilometer von der Frontlinie entfernt an. Dabei werden vor allem Raffinerien, Fabriken und Lagerhäuser ins Visier genommen. Die Zahl der zivilen Opfer ist UN-Angaben zufolge derzeit so hoch wie seit den ersten Monaten nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine nicht mehr.
Die Ukraine benötigt eigenen Angaben zufolge angesichts der zunehmenden Angriffe dringend eine bessere Luftverteidigung - insbesondere US-Patriot-Systeme, die ballistische Raketen abfangen können.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte am Donnerstag bei einem Besuch beim kanadischen Premier Mark Carney in Calgary, Kanada werde der Ukraine im Bereich Luftverteidigung zusätzliche Unterstützung leisten. Er sei "so dankbar", sagte der ukrainische Staatschef. "Das ist ein sehr wichtiges Paket zur Luftverteidigung, und es ist von entscheidender Bedeutung."
Selenskyj erwähnte auch den Angriff in Pawlohrad. Zudem seien bei einem Angriff in Kramatorsk in der Ostukraine durch "russische Bombenangriffe auf Wohngebäude" dutzende weitere Menschen verletzt worden, fügte er hinzu.
In die diplomatischen Bemühungen um eine Beendigung des Kriegs war am Wochenende nach langer Pause wieder Schwung gekommen. In einem neuen Vorstoß Washingtons besuchten die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner zuerst Moskau und dann Kiew.
Kreml-Chef Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump erörterten am Dienstag den Konflikt in einem Telefonat, welches laut Kreml "äußerst offen" und konstruktiv verlief und eine Stunde dauerte.
Selenskyj sagte am Donnerstag in Calgary, er werde sich Ende September in New York mit dem "amerikanischen Team" treffen. Selenskyj hatte bereits am Dienstag gesagt, er hoffe auf ein Treffen mit Trump noch in diesem Monat. Er wolle mit dem US-Präsidenten über ein Paket zur Stärkung der ukrainischen Luftabwehr sprechen.
Mehrere bisherige Gesprächsrunden waren ohne Ergebnis geblieben. Größter Streitpunkt zwischen beiden Konfliktparteien sind Gebietsabtretungen: Moskau fordert von der Ukraine, Gebiete in der östlichen Region Donezk abzutreten, die Moskau bisher noch nicht kontrolliert. Kiew lehnt einen solchen Schritt entschieden ab und betont, er käme einer Kapitulation gleich.
N.Friedrich--FFMTZ