Frankfurter Tageszeitung - SPD-Verteidigungsexperte glaubt nicht mehr an gemeinsamen europäischen Kampfjet

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SPD-Verteidigungsexperte glaubt nicht mehr an gemeinsamen europäischen Kampfjet
SPD-Verteidigungsexperte glaubt nicht mehr an gemeinsamen europäischen Kampfjet / Foto: Geoffroy Van der Hasselt - AFP/Archiv

SPD-Verteidigungsexperte glaubt nicht mehr an gemeinsamen europäischen Kampfjet

Der SPD-Verteidigungsexperte Christoph Schmid glaubt nicht mehr an den gemeinsamen europäischen Kampfjet FCAS. "Ich halte es für wenig hilfreich, wenn wir nun weitere Schleifen drehen", sagte Schmid der "Augsburger Allgemeinen" (Montagsausgabe). "Schon seit einem knappen Jahr ist eigentlich allen Informierten klar, dass es keine gemeinsame Lösung mit Dassault mehr geben wird."

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Dies sei keine generelle Absage an eine deutsch-französische Kooperation bei Rüstungsprojekten, betonte Schmid. "Seit Monaten wird aber von französischer Seite zugunsten von Dassault auf Zeit gespielt ohne Rücksicht auf bereits geschlossene Verträge", sagte er. "Dadurch entsteht zwangsläufig der Eindruck, dass man gerne deutsche Finanzierungsanteile für die Entwicklung französischer Fähigkeiten nutzen möchte, aber nicht zu einer echten Partnerschaft bereit ist."

Der Außenamts-Staatsminister Gunther Krichbaum (CDU) betonte dagegen: "Wir wollen FCAS auch weiterhin zum Erfolg führen, denn das wäre in der aktuellen internationalen Situation ein wichtiges Signal der europäischen Zusammenarbeit und speziell der deutsch-französischen Kooperation bei Rüstung und Verteidigung."

Zu dem deutsch-französischen Luftkampfsystem FCAS sollten bisherigen Planungen zufolge neben einem gemeinsamen Kampfjet auch Drohnen und neue Kommunikationssysteme gehören. Es sollte ab den 2040er Jahren einsatzfähig sein. Ein Führungsstreit zwischen den beteiligten Konzernen Dassault und Airbus verzögert das Projekt seit Monaten. Die Vermittler sollen am Dienstag ihre Ergebnisse vorstellen, zehn Tage später als ursprünglich geplant.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte das Projekt im Februar erstmals offen in Frage gestellt. Er verwies auf die unterschiedlichen Anforderungen an einen Kampfjet der neuen Generation. Zuletzt mehrten sich in Deutschland und Frankreich die Stimmen, die die Entwicklung zweier verschiedener Kampfjets fordern und die Zusammenarbeit auf Drohnen und weitere Komponenten beschränken wollen.

A.Seidel--FFMTZ